Meine 'Line of reasoning' ist die folgende:
Ich mag nicht einen Kennzeichenhalter an meinem Auto haben, der so aussieht, als hätte ich genau diesen super-edlen Kennzeichenhalter haben müssen, um damit zu unterstreichen, dass ich doch ein ach so geiles edles Teil von Auto besitze, welches gar nix anderes als den edelsten Kennzeichenhalter verdient hat.
Ein Plastik-Kennzeichenhalter an einem edlen Auto drückt eher aus, dass der Besitzer den - sind wir ehrlich - relativ uninteressanten Niederungen der technisch notwendigen Kennzeichen-Befestigung an einem Auto mit einer gewissen Nonchalance, oder Lässigkeit, man könnte auch sagen 'Coolness' begegnet, die vielleicht gar ins Nachlässige schimmert... Diese Nachlässigkeit in der Kennzeichen-Befestigungs-Frage wiederum mag ausdrücken, dass der Besitzer wohl doch noch andere Lebensinhalte hat, als seine Bemühungen um die möglichst 'stilsichere' Befestigung eines Kennzeichens an seinem Auto.
Aus dieser Warte gesehen ist eben ein Plastik-Kennzeichenhalter an einem XJS genau die richtige Wahl - unprätentiös und unverkrampft. Und 'Stil' ist eben genau NICHT das, was naheliegend scheint, oder was alle anderen Hinzens und Kunzens machen... Und weil nicht jeder Hinz und jeder Kunz einen XJS fährt, gehört auf einen XJS auch nicht zwingend ein goldig umrahmter Edelstahlkennzeichenhalter den sich die meisten Golf GTI oder Mini-S-Besitzer montieren lassen.
Hallo Brinky,
ich kann Deine Auffassung grundsätzlich nachvollziehen, finde sie aber gerade bezogen auf die Details im Allgemeinen und den Kennzeichenhalter im Besonderen nicht richtig.
Warum?
1.
Ich bin Detailfetischist, meine Autos "stimmen" in allen Details, von der passenden Bordmappe, den farblich abgestimmtesn Autofahrerhandschuhen, dem zum Auto gehörigen Schirm, der stimmigen Sonnenbrille über die korrekten Fußmatten, die Ventilkappen mit Markenemblem, die Kennzeichenhalter bis hin zum farblich passenden Autopyjama, der Wahl des Anzugs und der Uhr zum jeweiligen Auto.
Der feine Kammgarnanzug von Zegna sieht im Defender einfach blöd aus, genauso wie die Jeans nicht zum DD6 paßt...

Nonchalent ist sicher anders, aber cool ist es schon, wenn ein stimmiges Bild an Dir vorbei fährt.
Und lässig und unverkrampft sollte der Umgang mit dem jeweiligen Auto und besser noch Du selber sein, aber immer angemessen.
Barfuß in Bermuda-Shorts vom Strand kommend sieht einfach cooler aus, wenn das Auto perfekt ist, der Umgang damit aber lässig.
2.
Plastik-Kennzeichenhalter gab es nicht, als das Auto heu war. Schon gar nicht bei Jaguar.
Ich erinnere mich gut an die Jaguare meines Vaters, sie wurden vom Hamburger Autohaus Nemeth immer mit Edelstahlunterlagen unter den Nummernschildern ausgeliefert, auf den Händler wies nur ein ganz kleines Schildchen auf dem Kofferraumdeckel hin, was mein Vater grundsätzlich sofort entfernen ließ.
Der erste Plastik-Kennzeichenhalter tauchte gegen Ende der achtziger Jahre an seinem BMW M5 auf, als dieser vom Service zurück gebracht wurde und wurde noch am gleichen Tag wieder entfernt, mit den Worten "Wenn ich für Sie Werbung machen soll, dann müssen Sie die auch bezahlen! In einer Stunde sind meine Nummernschildunterlagen wieder an meinem Wagen, ansonsten haben wir ein Problem."
So ein billiges Plasteteil aus chinesischer Produktion hat für mein Dafürhalten einfach gar nichts an einem Stück klassischen britischen Maschinenbaus verloren.
3.
"Die wahren Abenteuer sind im Kopf", heißt es bei Heller.
Coolness beweißt man nicht durch (nach)lässigen Umgang mit einem edlen Automobil. Cool ist man durch sein Auftreten, seinen Charme, seine Überzeugungen, durch das, was man im Kopf hat. Wenn Dir die "anderen Lebensinhalte" wirklich wichtig sind, dokumentierst Du das gerade nicht durch "Nonchalence" im Umgang mit einem so wertvollen, schönen, feinen Auto. Das ist kleinbürgerlich-spießig, das ist die Geisteshaltung meines Biologielehrers in den späten siebziger Jahren, dessen bewußt ungepflegter Passat der dümmlichste aller Aufkleber zierte: "Ein sauberes Auto ist ein Zeichen für einen kranken Geist".
Er war Gründungsmitglied der Grünen und roch auch so.
Und nur in Deutschland glaubt man, seine geistige Kapazität durch eben jene scheinbare Nonchalence beweisen zu müssen, der Deutsche Intellektuelle kleidet sich schlecht, fährt ungepflegte Autos, bevorzugt ungeschminkte Frauen mit schwarzen Reformkleidern und lockigem Schamhaar, alles um zu belegen, daß ihm Äußerlichkeiten egal sind.
Ein französischer Philosph hat immer die schönsten, oft zu jungen Frauen, liebt Schuhe von Beluti und läßt sich zu gerne im polierten, schwarzen Citroen C6 chauffieren.
Ein italienischer Kommunist würde niemals auf sein Brioni-Jackett verzichten und fährt sehr gerne Maserati, wenn auch nur einen Biturbo.
Ein englischer Professor am Corpus-Christi-College trägt selbstverständlch einen Maßanzug und hat eine "Personal Registration" an seinen Jaguar XJ6.
Wenn Du Noncalence und Lässigkeit beweisen willst, klebe Dir einen "amnesty international"-Aufkleber auf Deinen Jaguar.
Aber pappe keine Plaste-Teile von ATU an dieses Auto.
Abschweifend-feuilletonistische Grüße, G.