Autor Thema: Ventilspiel und Klackern / Serie 1  (Gelesen 10577 mal)

Offline vantom

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Ventilspiel und Klackern / Serie 1
« am: Do.05.Mai 2011/ 18:22:57 »
Hallo zusammen!

Eigentlich ist dieser Beitrag sozusagen die Fortsetzung meines anderen Beitrages unter dem Titel "Ventilschaftdichtungen / Serie 1", aber jetzt geht es inzwischen gar nicht mehr um die Dichtungen, daher mache ich lieber einen neuen auf. In der Suche konnte ich leider keine passenden Beiträge finden.

Zur Sache: Mein Motor klackert, bzw. rattert. Nach sorgfältigem Abhören ist relativ sicher, dass das Geräusch von den Auslassventilen herrührt, von der hinteren Seite zur Spritzwand hin. Der Zylinder wurde erst vor kurzem überholt, neue Ventile, neue Ventilschäfte, und die Sitze wurden gefräst. Die Federn sind die alten, wurden aber geprüft.

Das Rattern war erst relativ leise (wie ein falsches Ventilspiel) und wird nun scheinbar immer lauter (oder ich höre immer mehr hin!). Ich habe die Nockenwellenlager geprüft: keine Einlaufspuren, ich habe die Stößelbecher geprüft, alles O.K., Steuerkettenspannung wie im Handbuch beschrieben ... Dann habe ich auf einen guten Tipp hin die Haltebleche für die Stößelführungen montiert: keine Veränderung ... Die Federn sind nicht gebrochen.

Man könnte also auf Kolbenbolzen schließen, oder Pleuellager. Es handelt sich vom Geräusch und der Frequenz her aber um mehr als nur einen Zylinder. Der Öldruck ist perfekt, der Ölverbrauch minimal. Das Klackern wird bei Motorerwärmung leiser und ist drehzahlabhängig – je höher, desto weniger –, aber nicht vom Gaswechsel, so wie ich es von Kolbenkippern oder Pleuellagern her kenne.

Ich musste mit dem Geklapper nach Hause fahren, auf der Autobahn bei konstant 100 bis 120 kmh, runde 200 Kilometer. Das Geräusch blieb dabei unverändert und ist bei ca. 2500 U/min kaum zu hören!

So jetzt kommt es – und hier hoffe ich von euch einen Tipp zu bekommen, bevor ich den Motor ausbaue: Mein "toller" Motoren-Instandsetzer (der hat die Ventilschäfte getauscht) hat mir zu einem größeren Ventilspiel geraten: Anstelle von 0,3 (E) und 0,35 (A) besser 0,35 (E) und 0,4 (A). Zusätzlich hat der Vogel die neuen Ventile auf das Grundmaß gekürzt, aber so viel, dass ich nun Übergröße-Shims einsetzen muss, mit denen ich das Ventilspiel leider nicht super exakt einstellen kann.
Ich vermute also, da rattern zwei, drei Ventile. Laut diesem "Fachmann" aber stimmt das höhere Ventilspiel und kann nicht der Grund dafür sein. Der Motor schüttelt sich zudem leicht ...

Ich habe bislang ja nur simple "Anti-Klapper-Maßnahmen" vorgenommen. Bevor ich den Motor rausrupfe und von unten dran gehe, möchte ich wissen, ob der JX 6-Motor so empfindlich auf das Ventilspiel reagiert, dass 0,05 mehr so viel ausmachen können?


Vielen Dank für die Hilfe, Tom

Offline Marcel

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Re: Ventilspiel und Klackern / Serie 1
« Antwort #1 am: Do.05.Mai 2011/ 19:00:30 »
Hallo Tom,

bewaffne Dich mal mit einem Stethoskop, und höre den Motor an den Ventildeckeln ab - immer dort, wo die Ventile sitzen. Wenn Du dort ein deutliches, helles Geräusch hören kannst, dann korrigiere das Ventilspiel auf die Sollwerte.
Ventilspieleinstellen ist oft nicht in einem Schritt erledigt - ich weis jetzt nicht, wie viel Aufwand beim XJ6 das Nachmessen ist. Wir haben aber an Christians Motor (XJ12) auch zwei Runden zum Einstellen benötigt.
Wenn der Motor sich schüttelt, dann vermute ich mal, ist da noch was Anderes im Argen... .

Viel Erfolg,

Marcel.
XJ 5.3 Coupé (1975) und XJS V12 Convertible (1994)
bildschöner 5.3 Liter und sagenhafter Sexlidder

Offline vantom

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Re: Ventilspiel und Klackern / Serie 1
« Antwort #2 am: Fr.06.Mai 2011/ 11:49:43 »
Hallo Marcel,

Danke für die Antwort! Den Motor habe ich ja schon abgehört und ich kann das Geräusch auch relativ präzise im Bereich der Auslass-Ventile orten.

Bislang fuhr ich nur Oldtimer-Lkw und -Motorräder, also "Grobmotoriker-Motoren", da äußerte sich ein falsches Ventilspiel allein in Geräuschen, nie in einem schlechten Motorlauf (außer, wenn es vollkommen daneben liegt). Laut der Info eines orstansässigen Jaguar-Spezis kann sich ein falsches Ventilspiel auch in leichtem Motorschütteln äußern. Doch wo fängt "falsch" an?

Ich habe das Ventilspiel in mehreren Durchgängen bei ausgebautem Kopf eingestellt - eben genau auf die Maße, die mir empfohlen wurden (0,05 über den Werksangaben).

Die Frage ist nun: Ist diese Empfehlung grundsätzlich Quatsch? Denn dann versuche ich gleich, die Ventile auf Werksangaben neu einzustellen. Wenn die Empfehlung aber gut ist - also durchaus üblich bei Jaguar-Schraubern -, dann suche ich den Grund für das Geklapper gleich woanders :-(

Viele Grüße, Tom

Offline Dietrich

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Re: Ventilspiel und Klackern / Serie 1
« Antwort #3 am: Fr.06.Mai 2011/ 12:09:34 »
Moin Tom,

ich fahr nun seit 10 Jahren eine Serie I 4.2 l und meine festgestellt zu haben, dass der Motor weitaus empfindlicher auf Veränderungen aller Art (Vergaser, Zündung, Ventile) reagiert, als beispielsweise ein 1,8 oder 2,0 l-Stoßstangenmoptor aus einem Buckelvolvo oder Volvo Amazon.

Das Einstellen des Ventilspiels hat bei mir insgesamt drei oder vier Durchgänge gedauert und war somit eine wirklich zeitintensive Sache.

Auch gibt der Motor in meinem XJ6 im kalten Zustand ein leises Klickern an den Auslassventilen auf den Zylindern 3 oder 4 von sich; aber eben kein Geklapper.

Einen Kurbelwellenschaden würde ich aufgrund des Öldrucks ausschließen. Erstens wäre dann das Geklapper enorm laut und zweitens wäre der Öldruck aufgrund des Lagerspiels der Kurbelwelle weg.   

Bleiben eigentlich noch die Ventile und die Ventilsitze, die sich ggf. lösen können. Den Rest hattest du bereits geprüft.

Viel Erfolg
kind regards
Dietrich   

Offline vantom

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Re: Ventilspiel und Klackern / Serie 1
« Antwort #4 am: Fr.06.Mai 2011/ 12:26:32 »
Hallo Dietrich,

das macht mir Mut! Danke. Wenn der 4,2er wirklich so empfindlich reagiert, wie Du ja auch sagst, dann stelle ich also erst einmal wieder auf ein Spiel nach Werksangaben um. Vielleicht säuselt die Luxus-Karosse dann ja wieder leise vor sich hin :-)

Ich bin gespannt! Und werde das Ergebnis hier in's Forum setzen.

Viele Grüße, Tom

Offline wiecz

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Re: Ventilspiel und Klackern / Serie 1
« Antwort #5 am: Fr.06.Mai 2011/ 19:12:15 »
Hallo Tom ,
ich kann mich mit meinem XJ6 Motor nur der Darstellung von Dietrich anschliessen . Wenn Dein Motor ruckelt, kann es auch sein, das nach dem Wiedereinbau der Nockenwellen diese auf der Kettenzahnkranzinnenverzahnung leicht versetzt eingebaut sind . Hierfür gibt es von Jaguar eine Einbauschablone . Wenn Sie nur ein Zähnchen falsch sitzen klappert der Ventiltrieb und der Motor läuft nicht rund . Wie auch .( 1 Zylinder OT , die ersten Nocken, Zylinder 1 sitzen 45° nach aussen geneigt )
Gruss aus Berlin
Tom

Offline vantom

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Re: Ventilspiel und Klackern / Serie 1
« Antwort #6 am: So.19.Jun 2011/ 20:28:22 »
Guten Abend!

Es ist mal wieder Zeit für einen kleinen Zwischenbericht.
Heute habe ich die Zeit gefunden und (mal wieder) die Nockenwellen rausgenommen.
Noch einmal vielen Dank für die Antworten auf diesen Beitrag. Selbstverständlich hatte ich die Nocken korrekt eingebaut, aber das Spiel war halt ein wenig höher als es die Werksangaben verlangen. Also doch mal nachgucken.

Ich habe das Spiel heute auf 0,35 korrigieren wollen und dabei festgestellt, dass sich bei einem Ventil relativ viel Öhlkohle im Stößelbecher befand (die anderen waren vollkommen sauber). Da war also schon mal etwas anders als bei den anderen! Beim Wackeln am Federteller konnte ich dann deutlich mehr seitliches Spiel feststellen! Ich tippe also auf eine gelockerte Ventilführung.

Ventile und Führungen sind zwar neu und haben gerade mal 500 kam auf dem Buckel, aber bei der Überholung des Kopfes beim "Spezialisten" ist ja eh schon einiges schief gelaufen ...

Nun werde ich das wagen, was man eigentlich nicht tut: Den Wechsel der Führung (Übergröße) bei eingebautem Kopf (Krümmer abgenommen). Ob das geht und wie, das werde ich hier dann dokumentieren. Wenn mir das Ventil in den Zylinder plumpst, dann muss der Kopf ja eh runter. Drückt mir die Daumen!!!

Viele Grüße, Tom

Offline vantom

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Re: Ventilspiel und Klackern / Serie 1
« Antwort #7 am: Do.23.Jun 2011/ 18:22:14 »
Guten Tag!

So heute habe ich meinen vorwitzigen Plan, die lose Ventilführung im eingebauten Zustand zu wechseln, direkt begraben müssen: Der Kopf muss raus.

Nach gerade einmal ein paar Hundert Kilometern nach der kompletten Überholung des Kopfes haben sich gleich zwei Führungen gelöst! Dabei fiel mir auf, dass eine Führung nicht nur locker ist (das Ventil lässt sich im Bereich des oberen Federtellers ganze 3 mm hin und her bewegen!), sondern auch noch schief sitzt. Daher gehe ich davon aus, dass das Ventil krumm ist. Auf dem Foto kann man das wunderbar erkennen: Es wurde direkt von oben fotografiert, es handelt sich also nicht um eine perspektivische Verzeichnung, der federteller ist eindeutig seitlich versetzt.

Hat so etwas schon mal jemand gesehen? Da ich mit der Werkstatt sprechen muss, der ich den Kopf ausgebaut vorbei gebracht hatte, möchte ich natürlich wissen, wie so etwas überhaupt möglich ist und wem man die Schuld in die Schuhe schieben kann.

Beim Einbau des überholten Kopfes habe ich peinlichst genau gearbeitet, keine Berührung der Ventile durch unsachgemäßes Verdehen der Nockenwellen, keine Gewalt ... Das andere lockere Ventil sitzt ja auch kerzengerade.
Wie können sich Führungen so schnell wieder lösen? Nach etwa 100 km fing das Tickern an. Zunächst hatte ich ja allerlei Ideen (siehe Forum), was das sein könnte, und habe öfters mal genauer nachgeschaut und da saß noch alles vermeintlich fest.

Vielen Dank für Tipps. Hauptsache, die Werkstatt nimmt sich der Sache an - es sind ja inzwischen einige Monate vergangen ...

Danke, beste Grüße, Tom

Offline vantom

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Klackern weg, alles gut
« Antwort #8 am: Mo.04.Jul 2011/ 13:35:32 »
So, nun kann ich dieses Kapitel endlich abschließen ... Hoffentlich!

Nachder Demontage des Kopfes hat sich gezeigt, das alle (!) Auslassventile defekt, bzw. die Führungen zerstört waren waren. Die nagelneuen Ventile haben in ihren nagelneuen Führungen so stark gefressen, dass nichts anderes übrig blieb, als alle Führungen und alle Ventile noch einmal zu erneuern. Der Kopf sah so aus, als ob ich damit ein Million Kilometer gefahren wäre.

Da ich die Ventile selbst beim Briten/Holländer gekauft und zusammen mit dem Zylinderkopf beim Motoren-Instandsetzer abgegeben habe, war es natürlich kein Garantiefall ... Die Werkstatt hat aber - ganz großes Lob! - die Arbeit umsonst gemacht und mir nur neue Ventiele und Führungen auf die Rechnung gestzt.

Was bleibt, ist die Frage nach dem Warum. Scheinbar waren die Ventile, die ich gekauft habe von so mieser Qualität, dass sie sich wie eine Feile in die Führungen gearbeitet haben. Anders kann man sich da keinen reim drauf machen. Wie kann man so einen Schrott verkaufen? Hat da schon mal jemand von gehört? Oder kann das doch eine andere Ursache haben?

Jetzt sind ordentliche Ventile drin und nach vier Stunden Gebastel säuselte der Motor gestern Abend wieder leise vor sich hin. So gut lief der noch nie. Ich hoffe nun, dass das auch so bleibt.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen mit Ersatzteilen gemacht?

Viele Grüße, Tom