Autor Thema: Erstes Jahr mit dem Jag - ein Erfahrungsbericht  (Gelesen 831 mal)

Offline SirTobi

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Erstes Jahr mit dem Jag - ein Erfahrungsbericht
« am: Do.03.Dez 2020/ 11:49:23 »
Hallo,

ich wollte mal rekapitulieren über die Ereignisse während meines ersten Jahrs als Jaguar Fahrer :) Vielleicht erkennt ja der ein oder andere darin einige liebenswerte Macken der eigenen Katze  ;D
Gekauft hab ich meinen XJ6 aus 11/96 als Zweithand Fahrzeug aus der Schweiz mit rund 175.000 Kilometern auf der Uhr.

1. Schock Dezember 19 : Memory Sitzverstellung des Fahrersitzes spielt verrückt und zieht den Sitz bis auf Anschlag gegen das Lenkrad sobald ein Knopf der Sitzverstellung betätigt wird. Lösung: Steuergerät getauscht Kostenpunkt gebraucht in der Bucht für 60 Euro; Sitz musste ich ausbauen um ihn kippen zu können, da die Verstellfunktion ja fratze war.

2. Verwunderung Dezember 19 Das Radio fährt die Antenne ca. 2 Minuten nach Beginn der Fahrt wieder ein und das mit recht trotziger Ausdauer. Auch im Kassetten Betrieb fährt die Antenne aus, aber auch nur wenn die Fahrgeschwindigkeit relativ zu Luftfeuchte und Speiseplan der Kantine richtig im Aszendenten steht  :gruebel Lösung: bis jetzt keine

3. Verzückung Februar 20 Die Lederausstattung mit dem Lederpflegeset von Colour Lock aufbereitet - Ergebnis herausragend, Wohnzimmer auf Rädern  :bluemchen

4. Frevel März 20 Mit der Katze umgezogen - was da so alles reinpasst  :whistling

5. Genuss (?) April 20 Nach vergeblichem Versuch dem Radio mit einem gebraucht gekauften Magazin für den CD Wechsler (ab Gebrauchtwagenhändler war wohl keiner drin) ein paar Töne zu entlocken, Kauf einer MP3 Kassette. Fazit: Mmmh also der AJ16 klingt besser  ;D

6. Schock no. 2 Mai 20 Beim sonntäglichen "sich der Katze nähern" fällt eine Blutlache aus ATF unter der linken Vorderpfote auf. Mehrere Schaufeln Sägemehl und eine Dose Ölfleckentferner später: Diagnose Lenkgetriebe tropft aus abgesprengter Lenkmanschette heraus. Lösung: Reparatur Satz für ZF Lenkung von Limora. "Ist leider doch nicht mehr lieferbar" Zweite Lösung: Revidiertes Lenkgetriebe von Era Benelux Kostenpunkt 350 Euronen dank Inzahlungsnahme des Altteils. Spurstangenköpfe und Achsvermessung verstehen sich ;)

7. Erfolg Juni 20 Der Anlasser spurt nach Erledigung seiner Pflicht seit längerer Zeit immer mal wieder nicht sauber aus. Resultat: Unbeschreiblich schönes Quietsch Geräusch in etwa Ritterrüstungsfinger auf Kreidetafel. Lösung: Neuer Anlasser von Alanko Kostenpunkt ca. 90 Euro

8. Erfolg no.2 Juni 20 Im Leerlauf ist seit Beginn des Frühjahrs eine leichte Drehzahlschwankung zu erkennen, zu schwach um sie als Sägen zu bezeichnen, zu stark um sie noch länger zu ignorieren. Nebelmaschine ausgeliehen und defekte Ansaugkrümmerdichtung diagnostiziert. Im Netz nachgelesen, dass eine Demontage der wassergekühlten Ansaugbrücke des AJ 16 in etwa so spaßig ist wie eine Wurzelbehandlung, da aber nötig Zähne zusammen gebissen (hehe Wortspiel) und erledigt. Kostenpunkt nicht viel bei Jaguar Hermann und ein paar Blessuren an den Fingern.  ;D

9. Erfolg no.3 August 20 Der Motor schwitzt etwas und nach kurzer Recherche ist ein möglicher Übeltäter der Öhlkühler-Bypass unterm Ölfilter. Lösung: Während eines Routine Öhlwechsels ausgebaut und 4 neue O Ringe spendiert. Motor wieder trocken  ;D

10. Schock no. 3 August 20 Wieder ATF Flecken unter der Lenkung. Diagnose: die Hochdruckleitungen der Servolenkung sind undicht. Lösung: über britishparts bestellt und eingebaut. Kostenpunkt ca. 150 Euro

11. Frevel no. 2 September Schon wieder mit der Katze umgezogen - richtiges Nutzfahrzeug so ein Jaguar  :whistling

Aktuell ist der staus quo eine anstehende Rostkur und Einbau von KLR, Thermostat und einem neuen Schlauch von Servo Behälter zur Servopumpe. Ich glaube daher, dass jetzt wieder etwas an der Servolenkung undicht ist, dass die Pumpe irgendwie Luft zieht oder sonst eine Untat treibt, daher habe ich ein Rebuild Kit von britishparts mit dem neuen Schlauch bestellt. Am Samstag beginnt also das erste Schrauberkränzchen des zweiten Jahrs mit der Katze  :bluemchen

Für die Zukunft möchte ich der Katze einen neuen Himmel spendieren ( kein Schiebedach, hängt schon recht gut durch) und die Radio Thematik nochmal aufnehmen. Ich weiß nicht ob ich das alte reparieren lassen soll ( und ob das überhaupt geht ) oder mir ein neues Gerät da rein setze ( find ich eigentlich suboptimal von der Optik ).

Das war jetzt alles recht negativ dargestellt, aber ich habe mich bewusst auf die Aus- und Verbesserungsarbeiten konzentriert. Denn ich glaube ich trage Eulen nach Athen wenn ich sage, der Grund dafür dass man die Launen der Katze aushält ist der siebente nach sechs Tagen, an dem man sie Gassi gehen führt . . äh ich meine natürlich fährt  ;D

Auch sei gesagt, ich bin primär begeisterter Enthusiast und erst sekundär ins Grübeln gekommen ob man als Student der Fahrzeugtechnik wirklich so ein Auto fahren sollte. ( Antwort hier übrigens: nein sollte man nicht, wenn man es irgendwie vermeiden kann, bereuen tue ich aber nichts  ;D)
Daher hat die arme Katze wie bereits erwähnt auch mal als Daily Driver den Umzug mitmachen müssen ( natürlich mit entsprechenden Schutzmaßnahmen für den Innenraum) und wird primär von mir selbst am Laufen gehalten, was wahrscheinlich nicht immer die beste, aber nunmal die günstigste Art der Reparatur ist.


Vielleicht bis zum zweiten Bericht in einem Jahr  :)

Viele Grüße

Tobias


Offline autuno

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Re: Erstes Jahr mit dem Jag - ein Erfahrungsbericht
« Antwort #1 am: Do.03.Dez 2020/ 13:28:36 »
Hallo Sir Tobi!
Ich hatte dieses Jahr mal wieder eine drucklose Klimaanlage, der Kontrastmitteltest in der freundlichen Türkenwerkstatt um die Ecke brachte eine undichte Antriebswelle am Kompressor. Gebraucht ist so 'ne Sache, also ein Neuteil. Offenbar sind den Leuten dies Jahr alle ihre Kompressoren abgeraucht, jedenfalls hatte ich Mühe einen neuen zu finden. Der Aus- und Einbau dagegen war schnell gemacht wenn man genügend Knarrenverlängerungen hat, um den Befestigungsschrauben mit der notwendigen Gewalt zu begegnen und nicht abrutscht und sich den Schlüssel an die Stirn haut wie ich. :tongue!

Durchhängender Himmel ist ein Sch ...Thema bei 80er Autos. Bei meinem SAAB habe ich das mal durchgezogen: Heckscheibe raus, Himmelplatte raus und dann den ganzen klebrigen Schaumgummirest von der Pappe gekratzt. Zur Belonung habe ich dann auch einen edlen Stoff aufgeklebt. Beim XJ 40 geht der Himmel auch ohne Scheibenausbau raus, man muß nur den ganzen Innenraum demontieren. ;D

Neues Radio ist nicht nur von der Optik suboptional. Mein Pioneer DEH-X7800DAB ist ohne Gebrauchsanleitung mit den Streichholzkopf großen Knöpfchen kaum zu bedienen. Dabei hatte ich schon ein simples Modell gewählt mit CD Player, ist heute auch nicht mehr so üblich. Den Wechsler im Kofferraum habe ich inzwischen wieder verkauft weil bei Hörspielen mit 8 CD's muß ich jedesmal einen Autobahnparkplatz aufsuchen um die letzten Scheiben einzulegen. Außerdem hat das Radio ein ziemliches Mäusekino, daß ich bisher nicht richtig einstellen konnte z.B. ist die Beleuchtung entschieden zu dunkel.  >:(
Wobei beim Stichwort Beleuchtung fällt mir ein, die Armaturenlämpchen und die Warnlämpchen habe ich schon im 10ner- pack auswechseln müssen. Wieviele sind das eigentlich? Die Anschaffung eines gebrauchten Tachos brachte eine Menge Reservebirnchen, doch nun habe ich festgestellt, daß es die Dinger mit Sockel in der Bucht zu kaufen gibt zu einigermaßen zivilen Preisen als LED wobei ich nicht genau weiß, wie die Sockel heißen. Ich glaube B8 sind die mit den Kontaktfähnchen und T4 die mit den umwickelten Anschlüssen.

zwei Umzüge - Au weia. Aber mein "Schnurri" muß auch manchmal arbeiten, der ist Kummer gewohnt, den Kofferraum voller Baumschnitt, die Garage aufräumen, Das Möbelschnäppchen vom Trödler - sowas halt.

Eine Merkwürdigkeit dies Jahr waren die Sabilisatorgummis die ich vor 2 Jahren schon mal nach VIN-Nummer bestellte um festzustellen: zu klein. Dieses Jahr war ich schlauer, die Gummis gemessen im Netz geschaut. Mercedes hat 24er Stabis. Die waren zu klobig also frische Klinge ins Tapetenmesser und passend geschnitzt, nu is Ruhe. Den eigentlichen Knackpunkt der Sache fand ich, als ich mal wieder im Netz daddelte und auf eine Seite stieß, die die Versionen erklärte. Meiner hat Lattice-Felgen in Speichendesign drauf und da las ich, daß die Dinger zum Sportpaket gehörten und unter anderem kürzere Vorderfedern und einen dickeren Stabilisator besitzt, und ein Sperrdifferential. Daraufhin bin sofort los und habe Öl für Sperrdifferentiale besorgt. Der Wechsel war easy, da ich schon vor 2 Jahren in die Kofferraumvorderwand ein rundes Loch geschitten habe, das mit einem Gummideckel verschlossen ist und durch dies Loch ist das Aufschrauben der Einfüllschraube und das Befüllen mit Schlauch und Trichter ein Kindesspiel. ;)

Eine weitere Merkwürdigkeit war beim Einbau von Nebelscheinwerfern. Eigentlich kein Hexenwerk aus den Anschlußsteckern im Wagen die Widerstände rausgeknipst (Lampenausfallmelder) und innen den Schalter besorgt. Also fuhr ich zu Dave von DVD Carparts. Und der meinte; Den beleuchtet Schalter hast du schon drin, da ist nur eine Abdeckkappe drüber, wenn du keine Nebelleuchten hast! Sachen gibt's, er hatte recht.

Na dann viel Spaß ...
Frank Herbst

Offline cumberland

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Re: Erstes Jahr mit dem Jag - ein Erfahrungsbericht
« Antwort #2 am: Fr.04.Dez 2020/ 20:55:19 »
Moin!

Denkt immer daran: Mit jeder Reparatur wird das Auto ein Stück mehr zu Eurem Auto!
Wenn nicht bestimmte Grenzen des Erträglichen überschritten werden, verwächst man mit jeder Reparatur zu einer Schicksalsgemeinschaft.
Mein Jaguar ist auch wegen der Reparaturen, um die ich noch gekümmert habe, mein Jaguar!  :)

Offline SirTobi

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Re: Erstes Jahr mit dem Jag - ein Erfahrungsbericht
« Antwort #3 am: Mi.16.Dez 2020/ 18:13:57 »
Hallo autono,

vielen Dank für die interessante Antwort. Die Birnchen in der Mittelkonsole sind n gutes Stichwort, meine LCD Uhr ist hin, da wollt ich mal ein neues Flachbandkabel einlöten und dann auch auf LED umrüsten, scheint wohl ein "Design Flaw" zu sein, dass die normalen Birnchen das Kabel kochen  ;D
Und der Trick für den Achsgetriebezugang ist ja stark :D
Dir auch weiterhin viel Spaß,

Tobias
P.S. Schönes Advents Bild  :super

Offline autuno

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Re: Erstes Jahr mit dem Jag - ein Erfahrungsbericht
« Antwort #4 am: Mo.21.Dez 2020/ 19:29:04 »
Hab' gerade nochmal in der Kiste "halbkaputten Teile" geschaut, die Uhr selbst hat bei mir 2 Birnchen die auf der Platine stecken.

Zur Hinterachse: Bei mir passte die Halbzollverlängerung ohne Nuss in den Einfüllstopfen und den Trichter kann man an den
Reserveradhalter binden.

Gruss Frank

Offline KlausA

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Re: Erstes Jahr mit dem Jag - ein Erfahrungsbericht
« Antwort #5 am: Di.22.Dez 2020/ 11:09:07 »


Zur Hinterachse: Bei mir passte die Halbzollverlängerung ohne Nuss in den Einfüllstopfen und den Trichter kann man an den
Reserveradhalter binden.

Gruss Frank

Das hab' ich jetzt erst richtig registriert, ein Loch im Kofferraum, keine schlechte Idee. Bisher popel ich immer zwischen Kofferraumwand und Einfüllstopfen ein Halbzollgelenk samt Knarre rein, mit dem Loch im Kofferraum scheint mir das wesentlich besser zu gehen.

MfG
klaus A.

Offline beemer

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Re: Erstes Jahr mit dem Jag - ein Erfahrungsbericht
« Antwort #6 am: Gestern um 11:42:59 »

2. Verwunderung Dezember 19 Das Radio fährt die Antenne ca. 2 Minuten nach Beginn der Fahrt wieder ein und das mit recht trotziger Ausdauer. Auch im Kassetten Betrieb fährt die Antenne aus, aber auch nur wenn die Fahrgeschwindigkeit relativ zu Luftfeuchte und Speiseplan der Kantine richtig im Aszendenten steht  :gruebel Lösung: bis jetzt keine

Hi Tobias,
hier gibt's nen Schaltplan für den '93er XJ6: http://www.jagrepair.com/images/Electrical/Elect-Tech%20All2/93%20XJ6%20Electrical.pdf

Vielleicht hilft dir das ja beim Antennenthema. Es gibt offensichtlich 2 Relais, je eines für Antenne raus und Antenne rein. Möglicherweise spinnt eines der Relais oder der Microprozessor, der die Relais steuert. Auch die Masseverbindung checken.

Viel Glück
wünscht
Tom